Reeperbahn Festival 2011 – Einfach anders

26. September 2011 | 12:55

Reeperbahn Festival 2011 – Einfach anders

Autor: Jannes

Normalerweise beginnen wir einen Festivalbericht mit Headlinern, Ortsbeschreibungen oder dem Wetterbericht. Das Musik/Art Festival auf Deutschlands berühmtestem Kiez macht dies überflüssig, denn es ist anders.

Hamburg, St. Pauli, Ende September: Wie jedes Wochenende strömen tausende Feierwütige über die berühmt berüchtigte Reeperbahn. Kurzes Erinnerungsfoto an der David Wache, tuscheln und kichern beim Vorbeigehen an Strip- und Sexshops, einmal die eisernen Beatles in den Arm nehmen und ab auf die Große Freiheit. Soweit hier nichts Besonderes. An diesem Wochenende jedoch konnten man den Gesprächen mehr entnehmen als „Oa geile Olle“ „Guck dir die Titten an“ oder „Komm, fürn Fuffy kannst das doch mal machen“. Vielmehr ging es um Zeiten, an denen man an Orten zu sein hat.

Ein Reeperbahn Wochenende in dem man nicht, verlorenen in der Parallelwelt Rotlichtmilieu, ohne Zeitgefühl und klare Gedanken umherstreunt? Ja so etwas gibt es, besonders zum Reeperbahn Festival.

In diesem Jahr tummelten sich knapp 20.000 Festivalisten im und um den Kiez, auf der Suche nach Erlebnissen der etwas anderen Art. Denn wie erwähnt, hier ist alles etwas anders. Grundstein legt natürlich die Musik. Hier gibt es keine gigantische Bühne vor der sich 90% der Besucher tummelt, weil gerade der Headliner spielt. Ganze 210 Bands verteilen sich über das Wochenende in den unzähligen Clubs von St. Pauli und Umgebung, aus den sonst so voneinander abgeschotteten Bars und Clubs wird ein gigantisches Festivalgelände, auf dem sich an diesem Wochenende Gruppen aus aller Herren Länder und auch aller Herren Genres die Klinke in die Hand gaben. Auch wenn, typisch Hamburg, Indie das Lineup dominiert, wird hier wirklich jeder auf seine Kosten kommen, auch wenn man es teilweise die Nadel im Heuhaufen ist, nach der man sucht.

So begeisterten uns dies Jahr unter Anderem der Breakthrough Artist der letzten Zeit, Frittenbude, genauso wie Captain Capa mit ihrem neuen Album „Saved my Life“, die Hardcore Crew Escapado, Jennifer Rostock, Kraftklub oder Turbostaat. Besonders für das Electro/Indie Label Audiolith scheint das Reeperbahnfestival eine Art Heimspiel oder Präsentation seiner Künste und Künstler zu sein, so oft waren sie vertreten.

Als wäre das alles noch nicht genug, gibt es neben der Musik noch den künstlerischen Bereich. So eröffnet Viva Con Aqua die nun jährlich stattfindende Reeperbahn Gallery, es gab eine Silent Disco, wo Kopfhörer statt riesiger Boxentürme die Beats in eure Ohren hämmern und eine fast unaufzählbare Anzahl von Street Art- und Performance Künstlern, die das ganze einen dezenten, aber sehr sympathischen, Avant Gardismus verleiht.

Es gibt an jedem der drei Festivaltage unzählige Dinge zu erleben und entdecken, einige machen Spass, andere erweitern eventuell den eigenen Horizont. Das Reeperbahn Festival ist auf jeden Fall eine Empfehlung für Leute, die mal etwas anderes als Campingstuhl und Dosenbier genießen möchten.

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