Rückblick: Omas Teich Festival 2012

6. August 2012 | 15:29

Rückblick: Omas Teich Festival 2012

Autor: Jannes

Wenn die Dosenbierrationen Ostfrieslands und Hollands knapp werden, Campingstühle zum raren Gut werden und die Kühe auf der Weide einer gut gelaunten Meute feierwütiger Festivalbesucher weichen müssen – dann ist Omas Teich Zeit!

Von Freitag bis Samstag öffnete die Oma die Türen zu ihrem mittlerweile von über 10.000 Menschen geliebten Teich und konnte über 40 Bands ihre Gäste nennen. Bevor wir auf die Bands und das Drumherum eingehen lasst euch gesagt sein: Im voraus Wetterberichte schauen um gegebenenfalls noch Regenkleidung einzupacken ist bei diesem Festival vollkommener Blödsinn, es gilt diese Regel:

Ist es ein gerades Jahr, schnappt euch kurze Shorts, luftige Kopfbedeckung und eine Menge Sonnencreme. Ist es ein ungerades Jahr besorgt euch Gummistiefel, Regencape und sorgt für gute Befestigung der Pavillons. In 2012 begrüßten wir als Special Guest also die Sonne, welche sich anscheinend des Herzens mit uns freute und den größten Teil des Wochenendes mit oder über uns lachte.

Nach einem verkaterten Freitagmorgen und unserem, in Bälde verfügbaren, Interview mit Chris #2 von Anti-Flag machten wir uns freudestrahlend auf den Weg Richtung Mainstage um eben diese Legenden des Polit-Punks zu zelebrieren. Sie präsentierten mit „Broken Bones“ ein stimmungsvolles und einheizendes Opening, welches von einer gelungenen Mischung aus alten und neuen Songs abgelöst wurde. Besonders „Fuck Police Brutality“ stand wohl bei eher wenigen Fans auf der Liste der zu erwartenden Lieder. Einen ganz besonderen Moment verschaffte uns der Drummer, indem er beim finalen „Power to the Peaceful“  kurzerhand sein Schlagzeug in die Menge stellte und den Track dort beendete.

Zur Aftershow begrüßten die noch partywütige Meute die von uns schon nach dem Hurricane abgefeierten „Dumme Jungs“. Ein wie zu erwarten großartiges Set mit vielen Highlights lies jeden Freund elektronischer Musik verschwitzt in den Campingstuhl oder ins Zelt fallen. Leider zeigte sich das erste Mal deutlich ein großes Problem von Omas Teich 2012:

Ab 24:00 Uhr war alles viel zu leise

Es ist mit Sicherheit nicht der Wunsch eines Veranstalters, dass sich das Publikum in den ersten drei Reihen in normalem Tonfall miteinander unterhalten kann.  Schuld daran waren scharfe Auflagen, deren Missachtung ein weiteres Festival dieser Art be- oder verhindern können. Hat man dazu im Hinterkopf, welch Anstrengung es war, die Erlaubnis für die Benutzung des heutigen Geländes zu bekommen, mag die scharfe Regulierung der Lautstärke verschmerzbar aber dennoch sehr ärgerlich sein.

Der Samstag begann extrem früh um 14.00 Uhr im Zelt, uns erfüllte allgemeiner Wunsch nach „Geballer“. Die Hardcore-Trance Band „His Statue Falls“ begrüßten die Frühaufsteher mit einem exzellent gelaunten Sänger, der lobenswerter Weise im Vorfeld selber den Soundcheck vornahm und sich dabei auch in die wartende Menge stellte, um allen Anwesenden die Geräuschkulisse so perfekt wie möglich zu machen. Gerade im Bereich der etwas härteren Musik leidet man oft unter schlechtem Sound, daher gibt’s von uns für diese Aktion einen großen Daumen nach oben. In einer knappen halben Stunde ballerte die Band altbekannte Hits wie „Capital H Capital O“ raus und präsentierte einiges vom neuen Album „Mistaken For Trophies“. Durch das ganze Set weg zeigte sich die Band äußerst angetan von der Action im anwesenden Publikum, sodass sich ein stetiges Geben und Nehmen entwickelte, der jeden Anwesenden mit einem Grinsen in den Tag schickte, egal wie schlimm der Kater des Vorabends war.

Während sich der Großteil der Besucher um 16.00 Uhr zur Mainstage begab, um sich einen mehr oder weniger rappenden Pandamensch anzuschauen, machten wir einen Abstecher zur neuen „Back to the Roots – Trauco“ Bühne. Diese war in einer kleinen Lichtung gelegen und offenbarte nach kurzer Suche eine kleine bauwagenähnliche Bühne, auf der weniger bekannte, lokale Bands ihre Bekanntheit steigern durften. Für uns natürlich keine Frage, zu Knallfrosch Elektro mit Präsenz zu glänzen. Diese hatten anscheinend mit erheblichen Tonproblemen zu kämpfen und konnten sich zu großen Teilen selber nicht hören – dies schlug sich auch an der musikalischen Qualität des Auftritts nieder – aber wie wichtig ist das bei KFE schon? Partytechnisch haben die Jungs ihren Job wieder mehr als gut gemacht und überraschte sogar mit einem Dubstep – Drum’n’Bass –Remix. Am Tag zuvor gaben sie übrigens zusammen mit Fat Belly ein Überraschungskonzert auf dem Campingplatz. Eine unfassbar positive Überraschung auf der kleinen Bühne waren auch Leoniden, deren Bassist Gerüchten zu Folge sein halbes Leben auf dieser Bühne gelassen und unfassbar gerockt hat!

Was bei Anti-Flag noch wunderbar funktionierte, das Mischen von neuen und alten Songs, ging bei den Donots grandios in die Hose. Im Grunde genommen wurde alles von früher abgefeiert, der Rest ignoriert. Uns persönlich stieß sehr negativ auf, dass „Stop The Clocks“ mittlerweile „Good Bye Routine“ als Abschiedssong abgelöst hat. Hier offenbarte sich auch, dass es vor der Mainstage an Drainage fehlte, denn ca. die Hälfte des vorderen Bereichs wurde von einer großen Matschpfütze abgedeckt, an der sich aber dennoch einige Leute suhlend erfreuen konnten.

Zu Digitalism kann man im Prinzip dasselbe schreiben wie zu „Dumme Jungs“. Musikalisch überragend, soundtechnisch viel zu leise. So war es nahezu unmöglich, irgendwie einen Funken von den Turntables aufs Publikum überspringen zu lassen, auch wenn das große, leuchtende Herz auf der Bühne durchaus große Erwartungen erzeugte.

Mit einer grandiosen Aftershow von dem bekannten Motorbooty DJ Team endete also die 2012’er Edition vom Omas Teich Festival. Neben den angesprochenen Tonproblemen gab es auch mittelschwere Probleme mit der Wasserzufuhr bei Waschplätzen und Duschen.

Wenn man von den kleineren Problem absieht war es allerdings ein grandioses Festival: Ein tolles Lineup mit vielfältigem Genremix, eine grandiose Atmosphäre auf dem Festivalgelände und auf dem Zeltplatz, überragenden Securitys, die sich für keinen Spass und für keinen Plausch zu schade, und trotzdem stets freundlichem und hilfsbereit waren.

Für uns ist es keine Frage, dass uns unser Weg auch im nächsten Jahr zu Ostfrieslands größtem Festival führen wird. Die Vorfreude auf 2013 ist genauso groß wie die Wehmut, dass 2012 gefühlt viel zu schnell vorbei war.

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