Reeperbahn Festival 2012: Allgemeine Glückseligkeit

26. September 2012 | 18:49

Reeperbahn Festival 2012: Allgemeine Glückseligkeit

Autor: Jannes

290 Bands in 60 Locations vor mehr als 25.000 Zuschauern. Das Reeperbahn Festival setzte sich selbst neue Maßstäbe.

Beginnend an einem Donnerstag startete die Rock-Mag Redaktionstruppe ihren Weg auf Deutschlands  sündigster Meile und das mit gehöriger Vorfreude. Da es an diesem Wochenende viel zu viel zu sehen und zu erleben gab, hier unsere absoluten Highlights:

Normale Festivalberichte starten oft mit Berichten übers  Wetter, die Location oder den größten Headliner. Weil hier aber alles anders ist, möchten wir an dieser Stelle die beiden Damen lobend erwähnen, die unsere Akkreditierung ermöglichten. Irgendwie war alles etwas komplizierter als sonst, wurde aber mit Leichtigkeit abgefertigt.

Zufrieden zogen wir also unserer Wege, erste Station Neidklub. Hier sollte der momentan heißeste ostfriesische Export Hurricane Dean groß auftrumpfen. Ein fabelhafter Sänger vor träumerisch-melancholischen Melodien sollte den perfekten Auftakt zum Themenabend „Wundervolle Stimmen“ bilden.

Im Anschluss führte der Weg ins altehrwürdige Schmidts Tivoli, normalerweise ein Theater mit charmantem Zirkusappeal, mit edel verzierten Wänden, Decken und, für uns etwas neu, Sitzplätzen. Gelungene Abwechslung zu den dreckig abgefuckten Clubs und offenen Festivalgeländen. Empfangen und regelrecht umgeblasen wurden wir von Lukas Graham. Ein kleiner, junger Däne dessen Locken verschmitzt unter einer Cap hervorlugen, er hätte perfekt in eine Hardcore Band gepasst. Das alleine wäre kein Grund für unsere Faszination. Dazu führte eher, dass er mit seiner Band im positivsten Sinne an Maroon 5 erinnert. Butterweiche, emotionsgeladene Stimme, vor Charme sprühend und für seine geringe Länge unglaubliche Bühnenpräsenz. Für uns ganz klar die positivste Überraschung des Wochenendes.

Als Highlight des Abends präsentierte Lena Meyer-Landrut zum ersten Mal weltexklusiv ihr neues Album „Stardust“. Wer denkt, dass unser Star für Oslo irgendwie mit Auto-Tune unter die Arme gegriffen wird hat weit gefehlt, auch hier eine wahnsinnig beeindruckende, variantenreiche Stimme unterstütz von Kontrabass, Piano und Gitarre. Etwas überrascht hat uns allerdings das dezent erhöhte Alter eines Großteils des Publikums, vor allem in den ersten Reihen, hauptsächlich Männer. Diese stellten sich im Nachhinein als Lena-Fanclub heraus, der extra für diesen Auftritt angereist waren. Dies erklärt auch die während des Konzerts geworfenen Plüschtiere, inklusive verzierten Grußkarten. Daneben tummelten sich z.B. ein Oldschool-Punk und ein aus Luxemburg angereister Wackenbesucher in einem Amon Amarth Shirt. Verrückte Welt! (Danke an dieser Stelle für die Korrekturen!)

Nichts desto trotz, eventuell sogar teilweise deswegen, war es ein tolles Konzert, dementsprechend konnten wir tief zufrieden mit diesen drei Ohrenschmäusen den ersten Tag beenden.

Der Freitag führte uns zuerst ins beschauliche und sympathische Indra, in dem die momentan durchstartenden KMPFSPRT, mit Vokalen Kampfsport, aus Köln gastierten. Gefühlt waren die 50 Minuten viel zu kurz, vor allem der Schlagzeuger holte sich fantastische Reaktionen in unserer Redaktion ab.

Später im Docks begeisterten Bonaparte vor allem mit ihren Kostümen, von Baum über Polizist zu Ariensängerin war so gut wie alles dabei was sich irgendwie aus Stoff darstellen lässt und wurde teilweise in Augenblicken gewechselt –groß!

Dies war zeitgleich der Abschluss des Freitags, ein Glück gibt es auf der Reeperbahn die ein oder andere Bar…ham wir gehört…

Bis zu diesem Zeitpunkt war alles schon groß, interessant, toll und faszinierend. Doch wenn du denkst es geht nicht mehr (viel besser) kommt von irgendwo Olli Schulz daher. Heimspiel in der Großen Freiheit 36, rappelvoll um halb 2 nachts mit einem begeistertem und begeisterndem Publikum was regelrecht an den Lippen des Singer-Songwriters klebten. Es breitete sich fast Angst aus zu lange zu lachen, um den nächsten Gag nicht zu verpassen. Tolle Lieder, tolle Geschichten und ein tolles Finale mit einem Wonderwall-singenden, Oasis-hassenden Olli Schulz. Wenn ein Festival so zu Ende geht und es langjährigen Redakteuren vor Lachen und Begeisterung die Tränen in die Augen treibt…. dann hat das Reeperbahn Festival viel, viel richtig gemacht.

Danke schön!

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