Bosse in Dortmund – Da war mächtig Druck auf dem Kessel!

18. April 2013 | 09:49

Bosse in Dortmund – Da war mächtig Druck auf dem Kessel!

Autor: Stefan

Axel Bosse spielte im Rahmen seiner Kraniche Tour im FZW Dortmund. Irgendwie verspürte er an diesem Tag mächtig Druck auf dem Kessel. Und dieser musste raus.

Irgendwann kommt der Zeitpunkt der Wahrheit: Die neuen Songs sind eingespielt, die EP ist auf dem Markt, man hat geduldig Interviews gegeben und die Tourneeplanung steht. Nun muss es sich zeigen, ob das Werk gelungen ist. Denn der Segen kommt in diesem Fall nicht von oben sondern von unten.

Axel Bosse hatte sich für sein neues Album Zeit genommen. Dreharbeiten seiner Frau in Istanbul führten ihn an den Bosporus und er lernte Musiker kennen, die Saz und Kürbisgeigen spielen. Es kommt zur Intialzündung für sein neues Album, der Song “Istanbul” entsteht. Aber dann geht Bosse auch wieder zurück an die Wurzeln, in seine Heimat. Es ist das genaue Gegenteil, ein kleines Dorf zwischen weiten Feldern, er findet seine Initialen in der Bushaltestelle wieder und auch der Zigarettenautomat mit den drei Fächern existiert noch. Hier entsteht der Song “Die schönste Zeit”.

Nun also die Tournee mit dem neuen Album im Gepäck. Wie wird es ankommen ?
Bosse weiss um die Gefahr, er sagt: “Eine Tour ist wie ein Kartenhaus: Wenn man eine Karte herauszieht, bricht alles zusammen.”

Doch die Vorzeichen sind vielversprechend: Gerade der Song “Die schönste Zeit” wird zum Renner in den Radios und sein Album springt rasch auf Platz 4 der Album Charts – viele der Konzerte sind schnell ausverkauft.

So auch das Konzert im FZW in Dortmund. Punkt 20 Uhr betritt Axel Bosse die Bühne und kündigt an: “Ich weiss nicht ob ihr das kennt, wenn man den ganzen Tag schon so ein komisches Gefühl hat, so einen Druck auf dem Kessel. Heute ist so ein Tag”. Man merkt, dass hier einer steht, der bis in die Haarenspitzen aufgeladen ist.

Bosse nimmt sich die Zeit mit lieben Worten seine Vorgruppen anzukündigen: Die Sängerin Elif und Tonbandgerät.
Für beide wird es schon der letzte Tourtag mit Bosse sein, Herrenmagazin und Valentine werden ab nun an ihre Stelle für die nächsten sechs Konzerte treten.
Tonbandgerät berichtet in einem lesenswerten Blog von ihren Tourerfahrungen und später wird man feststellen, dass Ole Specht irgendwie anderes aber doch einiges gemeinsam hat mit Axel Bosse.

Bosse startet sein Konzert mit “Kraniche” und steigert sehr schnell die Betriebstemperatur. Schon beim dritten Lied “3 Millionen” ist er im Publikum und tanzt durch die Menge.
Überhaupt tanzen ! Tanzen ist das Motto des Abends, Bosse will sie alle tanzen sehen, auch die auf Balkoninen oder die hinten am WC-Eingang. Und Bosse macht es vor. Die Bühne ist aussergewöhlich breit im FZW und diesen Platz füllt Bosse ständig aus. Bosse und tanzen, dazu sollte eine Bemerkung erlaubt sein. Sein Tanz ist ursprünglich, er bückt sich nach vorne, hält das Mirco so als hätte er einen Speer in der Hand und in ruckartigen Bewegungen tigert er im Kreis, dreht sich um sich selbst. Das hat eher etwas von einem Stammeskrieger. Oder tanzen doch so alle Jungs in der Dorf-Disco, wenn die Mädchen schon längst gegangen sind ?

Bosse weiß natürlich, dass man nicht immer nur tanzen kann und baut einen ruhigen Teil ein.
Schön das Lied “Sommer lang”. Schon allein die Einleitung über Heather Nova macht Spaß, dann aber der Wechselgesang zwischen Balkon und unten, Bosse hat sie im Griff, er gibt den Rhythmus vor, ballt die eine Hand und haut die Faust mit voller Energie in die andere flache Hand.

Doch dann ist Schluss mit den ruhigen Stücken, Bosse bringt “Die schönste Zeit” und der Saal tobt. Mit diesem Stück hat er wirklich einen Treffer gelandet, gut die Melodie und einprägsam der Text.

Es ist einfache Poesie, die Bosse dort gesetzt hat

Es gab nur dich und mich da draußen,
große Felder und Seen doch vielmehr nicht.
Es war 1994 und wir wussten nicht wohin.
Also gingen wir in dein Bett.

Aber es hat eben auch diese ein Zeile aus dem Abschiedsbrief von Kurt Cobain

It’s better to burn out then to fade away

Die Geschichte mit diesem Zitat ist kompliziert genug, der Ursprung liegt im Song von Neil Young “Hey Hey, My My”. Inwieweit Kurt Cobain es gerecht wird ist schwer zu sagen.
Bosse selbst sagt dazu in einem Interview:
“Ich stand auf dieses ganze Attitüde ‘Ich bin so kaputt, ich bin anders als die anderen.’ Dieses übertriebene Pathos gehörte zu meiner Pubertät dazu – obwohl ich aus einer ganz heilen, tollen Familie komme.”

Diese Erfahrungen gehören zur seiner Entwicklung und vor allen Dingen

das war die schönste Zeit
weil alles dort begann.

Er singt den Song einmal komplett mit Band durch und startet dann, nur mir Keyboard begleitet, eine zweite Runde mit Publikum und deren Gesang.

Bosse steigert nun swieder eine Gangart, springt erneut in das Publikum. Zu “Frankfurt Oder” holt er Flo mit seiner Trommel auf die Bühne und alles eskaliert nun zu einem gewaltigen Orkan.
Dann ist Schluss. Die Band geht von der Bühne, doch klar gibt es Zugabe !

Axel Bosse war in Dortmund in Höchstform, sein “Druck auf dem Kessel” gab ihm wohl einen besonderen Push. Wer dabei war wird definitiv wiederkommen.

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