20 Jahre Rockharz Festival – Der zweite Tag

18. Juli 2013 | 09:07

20 Jahre Rockharz Festival – Der zweite Tag

Autor: Stefan

In unserer kleinen Serie von Rockharz Festival berichten wir heute von Freitag, dem zweiten Festivaltag.

Zweiter Tag Rockharz, die Anfahrt ging wieder recht schnell über die gut ausgebaute B6 ins Harzvorland.

Hinter Quedlinburg wurde diese dann verlassen und man fuhr durch so schön klingende Orte wie Morgenrot und Badeborn.
Kein Mensch war zu sehen, kein Plakat oder Hinweis deutete auf das Rockharz Festival hin. In Badeborn begegnete mir eine Pferdekutsche. Doch dann, nach der kleinen Anhöhe hatte man plötzlich den Blick frei auf das Festivalgelände am Rand der Teufelsmauer.

Man sah sehr gut die ehemalige Bundeswehr-Transall, deren gefährliche Landung auf youtube zu sehen ist. Sehr gut erkannte man auch die zwei großen Bühnen, direkt nebeneinander aufgebaut.

Und das ist eine der Besonderheiten beim Rockharz: Durch diese Anordnung treten die Bands quasi ohne Unterbrechungen auf. Während auf der einen Bühnen gespielt wird, wird auf der anderen still und leise ab- und aufgebaut. Ist die eine Band dann fertig, steht die andere schon spielbereit auf der Nebenbühne. Während der drei Tage wurde dieser Wechsel mit einer starken Disziplin durchgeführt und bis auf eine Ausnahme die angekündigte Running Order auch garantiert.

Am Freitag nachmittag wollte es der Zufall, dass zwei Bands mit jeweils einer Frontfrau direkt hintereinander auftraten. Es war einmal Maria Archipowa mit der von ihr gegründeten russischen Band Arkona und zum anderen Charlotte Wessels von Delain. Und ohne zu zögern muss man sagen, dass Maria Archipowa diesen “Battle” eindeutig gewonnen hatte.
Irgendjemand muss ihr allerdings gesagt haben, dass es im Harz sehr kalt ist und wohl mit Schnee zu rechnen wäre. Jedenfalls hatte sich Maria Archipowa recht warm angezogen und ein komplettes Wolfsfell (mit Kopf und Pfoten) umgehängt. Tatsächlich war es aber brütend heiß, die Sonne drückte vom Himmel, Staub wirbelte in der Luft. Dessen ungeachtet begann Arkona mit einem ungeheurem Druck, Maria Archipowa sprang wie ein Wirbelwind über die Bühne und hielt diese Energie die gesamten 45 Minuten durch. Die durch russische Musik inspirierten Metal-Songs kamen extrem gut an.

Diese Energie fehlte dem Auftritt von Delain.

Durch die portugiesische Band Moonspell kam aber schnell wieder Tempo und Bewegung vor die jetzt sehr gut besuchten Bühnen. Den Vogel schoss aber die schottische Band Alestorm ab. Was diese Band am Stimmung erzeugte war unglaublich. Frontmann Christopher Bowes hob gleich nach dem ersten Lied eine Captain Morgan Flasche in die Luft und genehmigte sich daraus einen guten Schluck. Alestorm, die ihre Musik als “True Scottish Pirate Metal” bezeichnen, hören sich tatsächlich oft an wie alte Seemanslieder im Metalgewand, wie zum Bespiel der Song “The Revenge Of Captain Morgan”. Das Publikum ging hervorragend mit, eine Piratenflagge war weithin sichtbar und Crowdsurfer wurden ohne Pause nach vorne weitergereicht. Alle Bands des Freitags zusammengenommen kann man sicher behaupten, dass bei Alestorm die Stimmung am ausgelassensten gewesen war.

Im schnellen Wechsel spielte dann die schwedische Melodic-Death Metal Band Dark Tranquillity – ohne Bassiten, denn Daniel Antonsson hat die Band verlassen und ein Ersatz war wohl so schnell noch nicht einsatzbereit.

Wieder gut abgefeiert wurde dann vom Publikum der nächste Gig von Dragonforce.
Die Engländer um den Sänger Marc Hudson sind nicht nur stark im Posen sondern haben mit Herman Li und Sam Totman auch extrem schnelle und gute Gitarristen. Abwechselnd oder gemeinsam sprangen diese auf das bereitgestellte Podest, ließen die Finger flitzen und präsentierten gekonnt ihr “Extreme Power” Metal.

Langsam versank die Sonne glutrot am Horizont und es wurde Zeit für die Headliner des Abends.
Mit Eluveitie trat die erste Band auf, deren Spielzeit sich auf eine Stunde verlängert hatte. Die acht Schweizer hatten lange auf der Autobahn im Stau gestanden, ihren Auftritt absolvierten sie aber souverän. Die Band kombiniert in ihrer Musik keltische Folklore und brachte eine unglaubliche Vielzahl unterschiedlicher Instrumenten auf die Bühne.

1984 gründete Jon Schaffer die Band Ice Earth und erlebte mit dieser eine wechselvolle Zeit. Der langjährige Sänger Matthew Barlow verlies nun endgültig die Band und wurde durch Stu Block ersetzt. Iced Earth spielten viele Stücke aus dem aktuellen Album “Dystopia”, insgesamt war ihr Auftritt aber eher ruhiger.
Das schien auch das allgemeine Kennzeichen der Headliner am Abend zu sein: Es wurde dunkel, das Publikum stand jetzt dicht gedrängt vor der Bühne und lauschte eher der Musik zu als dass es richtig abfeierte.
Mit Accept trat schließlich um kurz vor 23:00 Uhr eine Band auf, die als Wegbereiter des deutschen Heavy Metals gilt.

Für mich war es Zeit, den Heimweg anzutreten.
Beim Weg zum Ausgang sah ich doch erstaunlich viele, die es sich vor den Zelten gemütlich gemacht hatten. Eine größere Gruppe veranstaltete einen Umzug über das Campinggelände, vorweg ein Dudelsackpfeifer und ein Trommler. Gemeinsam sangen sie das alte Lied von den Bots “Was wollen wir trinken ?”.
Es war ein friedliches, stimmungsfrohes Bild – nichts wies daraufhin, dass sich hier während des Tages ein dramatischer Unglücksfall ereignet hatte. Die Veranstalter haben mittlerweile davon berichtet.
Wir wünschen dem Mädchen auch von dieser Stelle aus alles erdenklich Gute !

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