20 Jahre Rockharz Festival – Der letzte Tag

29. Juli 2013 | 13:36

20 Jahre Rockharz Festival – Der letzte Tag

Autor: Stefan

Am Samstag, dem dritten und letzten Festivaltag bot Rockharz nochmal allein sechszehn Bands in einer wahrhaft breiten Mischung auf.

An die 12.000 Besucher hatten sich am Samstag zum letzten Tag der Geburtstagsparty auf dem Festivalgelände eingefunden. Bei erneut bestem Wetter und fast schon zu heißen Temperaturen hatten viele die Wahl der Qual, zu welcher Band man nun so richtig abfeiern wollte. Und es war erstaunlich, dass am Nachmittag ausgerechnet die A-Cappella-Band Van Canto wohl die meisten Zuschauer für sich verzeichnen konnte.

Begonnen hatte der Nachmittag mit der schwedischen Thrash-Metal-Band Dr. Living Dead!. Mit Totenkopf-Masken ausgestattet legte sich die Band mächtig ins Zeug und die Fans antworteten mit Moshpits im mittlerweile staubigen Ground.

Dann aber bemerkte man schon ein deutliches Wachstum der Zuschauerzahlen vor der “Rock Stage” Bühne, wo der Gig von Van Canto anstand. Van Canto, die bereits zweimal auf dem Rockharz spielten, tragen Metal a cappella vor. Dabei verzichten sie bis auf die Drums auf alle anderen Instrumente und ersetzen diese durch entsprechenden Gesang. So gibt es den tieferen “Rakkatakka” Gesang, den “Wah-Wah”-Sologitarren Gesang, den höheren “Rakkatakka” Gesang und die tiefe “Dandan” Stimme. Zu Songs wie “Rebellion” und “Fear Of The Dark” wurde die Band wahrhaft frenetisch gefeiert.

Nach Van Canto trat dann mit The Bones eine zweite schwedische Band auf. Leider hatte sich das Publikum nach dem Auftritt von Van Canto etwas zerstreut und The Bones mussten sich mit weit weniger Publikum zufrieden geben. Vielleicht lag es auch daran, dass The Bones nun doch eher aus der Ecke Punk ’n’ Roll kommen und damit etwas die Außenseiter waren.

Mit Tankard kam aber wieder enorme Stimmung auf und vor die Bühne.
Deren Sänger Andreas “Gerre” Geremia war extrem gut aufgelegt und rannte oft scheinbar kopflos, hilfesuchend und wild gestikulierend auf der Bühne umher und scheute keinen Kontakt mit der ersten Reihe. Musikalisch boten die Bierkrüge aus Frankfurt pures Thrash-Metal an.

Als letzte Band vor den Headlinern trat schließlich noch die finnische Band Ensiferum auf. Auch hier waren viele Fans der Band vertreten, wieder wurden auf dem staubigen Platz Mosh- und Cirlce Pits initiiert und der Song “Lai Lai Hei” kräftig mitgesungen. Gerade bei diesem Song waren die Folk Metal Einflüsse der Band gut erkennbar.

War also der Nachmittag sehr vielfältig und vom Publikum überwiegend sehr gut angenommen, sollten die Headliner des Abends die Stimmumg noch toppen.

Die Farbe Pink war nun plötzlich dominierend. JBO, zum fünften Mal auf dem Rockharz vertreten, hatten ihren Auftritt – angekündigt als die knallharten Verteidiger des wahren Blödsinns, die best gekleidetsten Franken zwischen hier und Mittelerde, die einzigartige Rosa Arme Fraktion, die unangefochtenen Könige der blödelnden Unterhaltungsfraktion. Im Publikum wurden sinnbefreite Texte wie “Ich bin doof”, “Rettet die Eisbären und singt” oder “Fickt! Das Ende ins nah!” hochgehalten. 60 Minuten unterhielten JBO das Publikum mit Songs wie “Ein Guter Tag Zum Sterben” oder “Verteidiger Des Blödsinns” bei bester Laune und erlaubten sich ein kleinen Scherz mit der Band Eisbrecher, die nach ihnen auftreten sollten. Die Bitte von JBO war, diese Band ausgiebig zu Beginn mit “Eisbecher” Rufen zu begrüßen.

Um 20:45 Uhr traten also Eisbrecher tatsächlich unter stürmischen “Eisbecher” Anfeuerungsrufen auf. Alexander “Alexx” Wesselsky, der wahrscheinlich Eisbrecher verstand und zu Beginn Rosen verteilte, war sichtlich baff. Mit Eisbrecher trat der zweite Headliner auf, der eine Spielzeit von 60 Minuten hatte. Mit “Miststück”, “Amok”, “This Is Deutsch” oder “Augen unter Null” boten Eisbrecher eine gute Mischung aus alten und neuen Stücken.

Dann war es Zeit für den eigentlichen Headliner des Abends.
Doch bevor ihnen die Bühne gehörte, kam traditionell der Veranstalter mit vielen der Mitarbeitern auf die Bühne und stellte die drei Fragen des Abends: “Hat es euch gefallen ?”, “Kommt ihr wieder ?” und “Seid ihr bereit für ein Abschlussfoto” ?

Avantasia kamen direkt im Rahmen einer quasi ausgebuchten Welttour aus Japan eingeflogen und boten das ganz große Kino.
Mit dem im Frühjahr 2013 vorgestellten Album “The Mystery of Time” hat das Projekt “Metal-Oper” von Tobias Sammet und dem Wolfsburger Sascha Paeth eine Fortsetzung erfahren. Auf dem Rockharz wurde Avantasia ergänzt durch die stimmgewaltigen Sänger Eric Martin, Michael Kiske, Bob Catley, Thomas Tettke und der Sängerin Amanda Somerville. Die oft auch als Symphonic Metal bezeichnete Darbietung fesselte viele Zuhörer, manch einer konnte dem allerdings nicht so viel abgewinnen, auch im Rockharz-Forum äußerte man sich teilweise reserviert und beschrieb den Auftritt als eine Mischung aus “Phantom der Opera” und “König der Löwe”. Wie dem auch sei, es war schon eine Auszeichnung, dass das Rockharz das einzige Festival in Deutschland war, auf dem Avantasia einen Zwischenstopp einlegt hatte.

Rockharz hatte zum 20. Geburtstag ein wirklich vielfältiges Programm auf die Beine gestellt. Bei fast 50 Bands und angemessenen Preisen bekam eigentlich jeder etwas für seinen Geschmack geboten.
Rockharz hat sich mittlerweile enorm etabliert, viele schätzen die noch überschaubare Grösse und die kurzen Wege. Ob ein weiteres Wachstum sinnvoll und wünschenswert ist mag dahingestellt sein.

Für 2014 hat Rockharz mittlerweile den Termin (10. – 12. Juli 2014) genannt und erste Bands wie Arch Enemy, Children Of Bodom and Soilwork angekündigt.
Die Frühbucherangebote sind zum Teil bereits vergriffen.

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